Grünliberales Nachtcafé: Wohnbaupolitik Zürich – wie weiter?

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Grünliberales Nachtcafé: Wohnbaupolitik Zürich – wie weiter?

Der Wohnraummangel im Kanton Zürich spitzt sich weiter zu und betrifft längst nicht mehr nur die grossen Städte, sondern zunehmend auch ländlichere Gemeinden. Mit Leerwohnziffern von nur 0.07 Prozent in der Stadt Zürich, 0.14 Prozent in Winterthur und 0.56 Prozent im gesamten Kanton ist klar: Die Wohnungsnot ist real und wirkt sich direkt auf Mieten, Lebenshaltungskosten und die Lebensqualität vieler Menschen aus.

 

Im Grünliberalen Nachtcafé diskutierten wir das Thema gemeinsam mit Nora Ernst, Co-Präsidentin der GLP Kanton Zürich, und Christian Portmann von der Baugenossenschaft Linth-Escher. Ihre unterschiedlichen Perspektiven aus Politik und Praxis machten deutlich, wie vielschichtig die Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt sind und wie stark die Auswirkungen den Alltag breiter Bevölkerungsschichten prägen.

 

In der Diskussion wurde sichtbar, weshalb die aktuelle Wohnbaupolitik stark polarisiert ist und politische Pole zunehmend Klientelpolitik für einzelne Interessengruppen betreiben. Die Vielzahl angekündigter Initiativen erweckt dabei oft den Eindruck von Pflästerli-Politik – keine davon scheint das Problem ganzheitlich zu lösen oder die strukturellen Ursachen wirksam anzugehen.

 

Besonders junge Menschen finden kaum noch bezahlbaren Wohnraum. Gleichzeitig fehlen für ältere Personen oft die Anreize, ihre zu grossen Wohnungen oder Häuser zu verlassen. Kleine Neubauwohnungen sind teuer und ein Wohnungswechsel ist häufig mit einem Wegzug aus dem vertrauten Quartier oder der Gemeinde verbunden – ein Schritt, der für viele wenig attraktiv ist.

 

Auch die Vor- und Nachteile der Vorkaufsrechts-Initiative wurden kritisch beleuchtet. Während dieses Instrument für grosse Städte wie Zürich theoretisch einsetzbar wäre, stossen kleinere Gemeinden rasch an finanzielle und politische Grenzen. Zusätzliche Prozesse, etwa Budgetkompetenzen über Gemeindeversammlungen, würden Verkaufsverfahren zudem stark verlangsamen.

 

Die Diskussion zeigte auf, dass es statt weiterer Polarisierung starke Allianzen aus dem politischen Zentrum und vielschichtige, realistische Massnahmen braucht, um der Wohnungsnot nachhaltig zu begegnen. Ein nachdenklich stimmender Filmtipp zum Thema Gentrifizierung bildete den Abschluss des Abends.

 

Das gesamte Gespräch mit Nora Ernst und Christian Portmann kann bei Interesse unten als Recording angeschaut werden.