senior glp

Als Kandidatinnen und Kandidaten der senior glp Nationalratsliste stehen wir hinter den Kernanliegen der Grünliberalen:

Damit sich auch unsere Nachkommen in ihrem Leben frei entfalten können, stehen wir in der Pflicht, ihnen weder ökologische noch finanzielle Altlasten zu hinterlassen. Wir setzen uns ein für eine nachhaltige Entwicklung, wobei wir soziale, wirtschaftliche und ökologische Ziele gleichermassen berücksichtigen. Grundlage dafür sind eine innovative Marktwirtschaft, eine lebendige Demokratie, der sorgsame Umgang mit unserer Umwelt, die Erhaltung der Biodiversität sowie eine tolerante und solidarische Gesellschaft. Das wollen wir in erster Linie mit Anreizen und nur wo nicht anders möglich mit Vorschriften und Verboten erreichen.

Individuelle Freiheit und Eigenverantwortung sind uns wichtig. Die Freiheit darf nur dann eingeschränkt werden, wenn die Freiheit Dritter beeinträchtigt wird. Der Staat soll den Menschen nicht vorschreiben, wie sie zu leben haben und welche Werte sie vertreten. Wir setzen uns ein für die Gleichstellung von Mann und Frau und von allen Familien- und Lebensmodellen sowie für die Chancengerechtigkeit. Diskriminierung und Rassismus haben in unserer Gesellschaft keinen Platz.

Wir stehen zur direkten Demokratie, zum Föderalismus, zu den Grundrechten und zum Völkerrecht. Grünliberale Politik ist sach-, lösungs- und zukunftsorientiert und nimmt Abstand vom veralteten Links-Rechts-Schema. Wir machen Politik für die Allgemeinheit, verfolgen keine Partikularinteressen und fördern gegenseitigen Respekt. Wir stehen ein für einen generationenübergreifenden, ökologischen Liberalismus, der nicht nur unsere eigene Freiheit zum Ziel hat, sondern auch die Freiheit unserer Kinder, Enkelinnen und Urenkel.

Grünliberale Alterspolitik

 

Über die Kernanliegen hinaus entwickeln wir eine zukunftsfähige, grünliberale Alterspolitik. Wir wollen aber älteren Menschen keine Sonderrechte und Privilegien erhalten oder beschaffen, sondern wir stützen uns ab auf einen fairen Generationenvertrag. Intelligente Anreize und verbesserte Rahmenbedingungen bezwecken nicht nur Freiheit und Solidarität von Alten und Jungen, sondern eine globale, ökologische und nachhaltige Freiheit und Solidarität1 aller unserer Nachkommen. Wir setzen uns für die folgenden Anliegen von älteren Menschen ein:

 

 

1. Flexibilisierung der Lebensgestaltung

 

Mit dem Eintreten der Baby-Boomer in das Pensionsalter wird die Zahl der RentnerInnen im Vergleich zu den erwerbstätigen Menschen in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. Dieser demographische Wandel führt zu grossen Problemen, wenn wir an unserer Lebensgestaltung und am Rentensystem nichts ändern. Beim geltenden starren Rentenalter von 64/65 entstehen bei den Altersversicherungen immer höhere Defizite. Als Folge davon werden die Jungen im Alter eine tiefere Rente beziehen, wenn wir nichts ändern. Alte Menschen sind aber auch eine Ressource. «75 ist das neue 65»: Wir haben heute eine so hohe Lebenserwartung und sind mit 75 so fit und leistungsfähig wie es die Menschen mit 65 waren, als die AHV gegründet wurde.

Unser Rentensystem beruht noch auf Vorstellungen eines normalen Lebens, wie es in den 50er Jahren galt. Der Lebenslauf von damals bestand aus drei Phasen: Zuerst die Ausbildung, dann 35 bis 45 Jahre Erwerbsarbeit und mit 64/65 der «wohlverdiente Ruhestand». Heute ist der Lebenslauf flexibler: nach der Grundausbildung beginnt die Erwerbsarbeit, oft in Teilzeit, und begleitet von lebenslanger Weiterbildung. Stellenwechsel sind häufig, und viele Menschen ändern ihren Beruf im Laufe des Lebens. Das Alter, in dem man die Erwerbstätigkeit reduziert und beendet, ist heute variabel. Viele ältere Menschen wollen über das Pensionierungsalter hinaus arbeiten. Hier sehen wir eine Lösung der demographischen Probleme.

Konkret setzen wir uns ein für:

 

  • Eine Flexibilisierung des Rentenalters und eine flexible Lebensgestaltung. Eine festgelegte Lebensarbeitszeit bis zur Erreichung des Pensionsalters würde Unterbrüche der Erwerbsarbeit sowie Teilzeitarbeit in jüngeren Jahren mit der Konsequenz eines höheren Pensionsalters ermöglichen.
  • Gleiches Rentenalter von Mann und Frau.
  • Die Förderung aller Formen von lebenslangem Lernen. Nur wer lebenslang lernt ist auch im Alter noch fit für den Arbeitsmarkt.
  • Ein zukunftsfähiges Rentensystem, welches unseren Kindern und Enkeln im Alter ein mindestens gleich gutes Leben ermöglicht wie den Rentnerinnen und Rentnern heute.

 

 

2. Gleichberechtigung älterer Menschen

 

Ältere Menschen sind heute in verschiedener Hinsicht benachteiligt, teilweise aber auch privilegiert. Wer im Alter von 50+ eine Stelle sucht, hat grösste Schwierigkeiten. Einige Firmen legen Stellengesuche älterer Menschen gleich weg, ohne deren Qualifikationen auch nur anzuschauen. Arbeitnehmer verdienen heutzutage mit zunehmendem Alter immer mehr. Das führt dazu, dass Unternehmen ältere Menschen wegen den hohen Lohnkosten und Sozialabgaben nicht anstellen wollen. Wir befürworten deshalb ein altersunabhängiges Lohnsystem und altersunabhängige Sozialabgaben. Der Lohn soll ausschliesslich von den Anforderungen und Belastungen des Arbeitsplatzes sowie der Leistung der Mitarbeitenden bestimmt werden.

Seit einiger Zeit nehmen negative Vorurteile über ältere Menschen zu: Sie gelten als missmutig, schwach oder senil und werden respektlos behandelt. Während Sexismus und Rassismus zu Recht bekämpft werden, ist Altersdiskriminierung in der Schweiz noch kaum ein Thema, obschon gemäss einer neueren Studie 80% der befragten älteren Personen in der Schweiz schon mal Opfer von Altersdiskriminierung wurden. Im französischen und englischen Sprachraum wird Altersdiskriminierung schon länger thematisiert und «âgisme» bzw. «ageism» genannt. In Belgien, Frankreich und den USA ist Altersdiskriminierung ein strafrechtlicher Tatbestand. Negative Vorurteile über ältere Menschen sind nicht nur unangenehm für die Betroffenen, sie haben auch schwerwiegende Folgen für das Selbstwertgefühl, das Selbstvertrauen, die Gesundheit und die Lebenserwartung.

Um die Gleichberechtigung und Wertschätzung älterer Menschen zu verbessern und Altersdiskriminierung abzubauen setzen wir uns ein für:

 

  • Respekt und Wertschätzung der Leistungen und Lebenserfahrungen älterer Menschen.
  • Anreize und verbesserte Rahmenbedingungen für die Erwerbstätigkeit älterer Menschen
  • Massnahmen gegen die berufliche Benachteiligung älterer Menschen

 

 

3. Selbstbestimmung von betagten und hilfebedürftigen Menschen

 

Im hohen Alter leiden viele Menschen unter Beschwerden und sind oft auf Unterstützung im Alltag angewiesen. Mit veralteten Versorgungskonzepten und -strukturen bestimmt das professionelle Hilfesystem darüber, wie, wann und wo betagte Menschen versorgt werden. Demgegenüber soll die Würde und Selbstbestimmung von behinderten, kranken und betagten Menschen respektiert werden. Dieses neue Konzept stösst aber auf zahlreiche Widerstände. Noch immer wird die stationäre Versorgung im Spital und im Alters- oder Pflegeheim besser finanziert und die Versorgung zuhause erschwert. Wir unterstützen alle Massnahmen zur Umsetzung des Prinzips «ambulant vor stationär» bzw. «zuhause vor Heim». Die Selbstbestimmung und die Würde betagter Menschen sollten uneingeschränkt gelten.

Konkret setzen wir uns ein für:

 

  • Anreize und verbesserte Rahmenbedingungen für selbstbestimmtes und selbständiges Wohnen zuhause
  • Umgestaltung des Sozial- und Gesundheitswesens, so dass ein selbstbestimmtes Leben zuhause möglich ist.
  • Weitgehende Selbstbestimmung und Selbständigkeit der Bewohner von Alters- und Pflegeheimen.
  • Anreize und verbesserte Rahmenbedingungen für altersgerechte, selbständige Anwendungen moderner Technologien (Digitalisierung, Roboter etc.)
  • Förderung von altersgerechten Wohnungen und altersgerechtem öffentlichen Verkehr, die es den älteren Menschen möglich machen, sich umwelt- und ressourcenschonend zu verhalten.

 

 

 

1 Heinz Bude (2019): Solidarität. Die Zukunft einer grossen Idee. Hanser Verlag München